Freitag, 18. Oktober 2013

Gefangene Braut





 Gefangene Braut

Mit einem Blick scheuer Neugier sah sie zu ihm. Sie wusste nicht, was er mit ihr vor hatte, nach dem er sie gefangen und gefesselt hatte. Er hatte sie in ein Zimmer geführt, dessen schwaches Licht kaum ausreichte, alles zu erkennen. Doch da war dieses Verlangen in seinen Augen, welches sie deutlich spüren konnte.


Eine Explosion aus Feuer hüllte ein Streichholz ein, welches über die Zündfläche rieb. Die Hand des Mannes führte es an die Kerze, deren Docht sogleich von den Flammen verschlungen wurde. Das Licht versprach Hoffnung und zum ersten Mal konnte sie ihren Entführer richtig sehen, wie er neben der gedeckten Tafel stand und sie betrachtete.

„Was haben Sie mit mir vor?“, wisperte ihre Stimme ängstlich.

„Ich werde dich zu meiner Braut machen, meine Schönheit.“

Dem Mädchen stockte der Atem.

„Aber ich kenne Sie doch gar nicht!“ Die Gedanken in ihrem Kopf kreisten, so als würden die Ko-Tropfen, mit denen er sie auf der Party betäubt hatte immer noch wirken.

„Du wirst mich kennenlernen.“ Seine Stimme klang freundlich, aber bestimmt.

„Ich liebe Sie nicht!“

„Du wirst mich lieben lernen“, sagte er nüchtern und trat an das Mädchen heran.

„Nein, ich will nicht!“

Zwei Mal war ein lautes Klatschen zu hören. Zwei Mal verpasste er ihr eine schallende Ohrfeige.

„Ich werde dich lehren, zu wollen. Ich werde dich lehren, dass es als meine Frau für dich kein Nein mehr gibt.“

Tränen sammelten sich in ihren Augen. Mit geröteten Wangen saß sie da und zerrte an den Fesseln, als der Mann sich zu ihr setzte und sie fast liebevoll in den Arm nahm.

„Hab keine Sorge, meine Schönheit. Ich werde dich alles lehren, was du für deine Zukunft bei mir wissen musst.“

Sanft glitten seine Finger über ihren zitternden Leib. Das Mädchen fing an, bitterlich zu weinen, doch instinktiv schmiegte sie sich an seinen kräftigen Körper, der sie nun ganz in Besitz zu nehmen begann.

„Keine Angst, meine Schönheit. Ich werde für dich sorgen.“

So begann die Zähmung. Er ließ sich Zeit. Er ließ ihr Zeit. Die widerspenstige Braut beruhigte sich langsam. Sie gewöhnte sich an seine Berührung und schließlich ließ ihr Widerstand unter seiner strengen Hand nach, bis sie ihn als ihren Herrn und Gebieter akzeptierte.
  


Kommentare:

  1. Ein Weib wird bald zum Narr’n gemacht,
    Wenn sie nicht Mut hat, sich zu widersetzen.
    (William Shakespeare/ "The Taming of the Shrew")
    Liebe Grüße von Felina, die sich gerade an "Katharina und Petruchio" erinnert fühlt

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    1. Ja, der Gedanke kam mir dann auch, als ich anfing die Zeilen für das Bild zu schreiben.

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  2. Schöne knackige Kurzgeschichte, nur der zweite Abschnitt scheint mir ein bisschen sehr theatralisch und schwülstig :-)

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