Samstag, 22. August 2015

Hexenzauber 2 – Das Straßenmädchen




Hexenzauber 2 – Das Straßenmädchen


Der Sturm hatte die ganze Nacht über gewütet. Im Morgengrauen hatte er sich gelegt und strahlend blauer Himmel hieß die Sonne willkommen. Dampfende Schleier glitzerten im Sonnenlicht über den Bäumen, Sträuchern und Wiesen. Nur langsam lichtete sich dieser Dunst und erst die Mittagshitze vertrieb die letzten Nebelschwaden.

Es war eine sumpfige Gegend, in der nur wenige Menschen lebten. Schwül war die Luft, und Stechmücken jagten nach frischem Blut. Mensch und Tier waren gleichermaßen willkommene Opfer.

Die kleine Schar von Reitern folgte dem schlammigen Weg – sehr zum Verdruss der Bewaffneten, die lieber einen eigenen Weg durch die Wiesen gesucht hätten. Doch sie mussten bei der Kutsche bleiben, deren Inhalt sie  mit ihrem Leben zu beschützen geschworen hatten. In den Wäldern gab es Räuber und Banditen, und so beäugten die Männer mit wachen Augen das Unterholz.

„Ihr wirkt sehr angespannt, Bruder Georg“, sagte Isabella und spielte mit dem Saum ihres Kleides, so dass der Ausschnitt mehr Einblick in ihr Dekolletee bot, als es für eine adlige Dame, noch dazu für eine Königstochter, angemessen war. Isabella interessierte es nicht. Die brünette Schönheit aus dem Süden hatte die Regel des nassen Nordens nie gemocht, der zwar die Freiheit liebte, doch gleichzeitig den Geist einschnürte. Dem Ruf des mütterlichen Blutes folgend rebellierte sie gegen die allzu strengen Normen und versuchte immer wieder, ihr eigenes Abenteuer zu finden.

Leider musste sie als Prinzessin dem König, ihrem Vater gehorchen und so war ihre Rebellion meist von kurzer Dauer. Nach einem Einkaufsbummel in Sarhgreb war sie nun auf dem Weg zurück in die Sommerresidenz ihres Vaters am Rande der Kalkberge. Dass ausgerechnet ein Kirchenmann ihr Begleiter war, versüßte dabei ihre Laune nicht sonderlich. Dieser Mann wirkte auf sie bieder und brav, dass man schon fast bei seiner bloßen Gegenwart an Langeweile ersticken konnte.

„Ich hoffe nur, dass wir endlich das Gasthaus erreichen, von dem Ritter Michael berichtet hatte. Ich will nicht noch eine Nacht in einem Zelt schlafen müssen“, meckerte der Geistliche. Die Zelte, in denen er und die Prinzessin schliefen, waren besser als das Lager der meisten Untertanen von König Grimdur, doch das war dem Kirchenmann gleich. Ihn beschäftigte vor allem sein eigenes Schicksal.

„Wir sind sicher bald in einer Taverne. Ritter Michael hat es versprochen“, meinte Isabella und lächelte verlegen. Der Ritter, der sie begleitete, war jung, tapfer und verwegen. Die junge Frau hatte schon viele unkeusche Gedanken an ihn verschwendet und auch jetzt kribbelte es ihr zwischen den Schenkeln, wenn sie an seinen in zahlreichen Schlachten und Tournieren bewährten Körper dachte. Gerne wäre sie eine einfache Magd, die er einfach zum Vergnügen nehmen konnte. In ihren oft hitzigen Tagträumen hatte Isabella sogar schon einmal überlegt, sich als solche zu verkleiden und für ihn die Röcke zu heben. Natürlich war dies nur eine Narretei, denn das Mädchen hatte viel zu viel Angst, dass man sie dabei erwischen, oder schlimmer noch, dass er sie abweisen und auslachen könnte.

„Halt!“, rief einer der Ritter. Der Wagen hielt ruckartig.

„Was geht da vor sich?“, rief Georg aus der Kutsche heraus.

„Hier liegt jemand. Ein rothaariges Mädchen“, rief der Ritter aus ihrem Gefolge.

„Ist sie tot?“, wollte Isabella wissen, ohne dass sie die Gestalt sehen konnte.

„Nein, Herrin. Sie ist nur nackt und scheint das Bewusstsein verloren zu haben.“

Georg und Isabella stiegen aus, während die Ritter abwechselnd auf das rothaarige Mädchen und dann wieder auf den Wald blickten. Schon mancher Räuber hatte sich  einer Frau als Kriegslist bedient.

„Sie ist sehr hübsch“, stellte die Prinzessin fest. „Was fehlt ihr?“

Georg betrachtete das Mädchen, das im Alter der Prinzessin war, unsicher. Schweiß stand auf seiner Stirn und er fingerte an seinem Amulett des heiligen Rads.

„Sie scheint einfach nur das Bewusstsein verloren zu haben“, stellte Michael fest, der abgestiegen war, um die Fremde zu untersuchen. „Ich kann keine Verletzung sehen. Vielleicht ein Bauermädchen, das davongelaufen ist. Lassen wir sie liegen. Die kommt schon wieder zu sich.“

„Aber Ritter“, wandte Isabella ein. „Sie hat keine Schwielen an den Händen und ihr Gesicht ist sicher nicht das einer Bäuerin. Vielleicht ist sie eine Adlige, die ausgeraubt wurde. Wenn wir sie liegen lassen, dann vergreift sich wohl möglich jemand an ihr und schadet ihrem Leib und ihrer Seele.“

„Mitnehmen können wir sie nicht. In der Kusche ist nur Platz für zwei. Und reiten kann sie nicht“, erklärte ein anderer Ritter.

„Dann muss wohl einer von uns mit Euch aufs Pferd“, sagte Isabella und blickte zu Bruder Georg.

„Unmöglich. Mein Rücken. Ich kann damit nicht reiten. Das würde mich umbringen“, protestierte der Geistliche.

„Dann reite ich mit Euch, Ritter Michael“, meinte Isabella, die sich freute, wenn ein Schachzug den gewünschten Erfolg brachte.

„Meint Ihr das ernst?“, fragte Michael entgeistert.

„Ja, und jetzt bringt die Arme in die Kutsche, damit wir unsere Reise fortführen können.“

Wenig später setzte sich der Tross in Bewegung. Isabella saß hinter Michael auf dem Pferd und hatte ihre Arme eng um seine Brust geschlungen. Die Rüstung störte, doch allein seine Nähe war für die Prinzessin schon der Himmel auf Erden.
Manchmal schien das Schicksal sie einfach zu lieben. Sie dachte nicht an das Mädchen, das sie aufgesammelt hatten. Isabella dachte alleine an Michael und wanderte mit der Hand zwischen seine beim Reiten ungeschützten Schenkel.

Das rothaarige Straßenmädchen war in eine Decke gehüllt und saß nun auf Isabellas Platz. Sie hatte ihr Bewusstsein nicht wieder erlangt, doch hin und wieder stöhnte sie im Schlaf. Bruder Georg starrte während der Fahrt unentwegt auf sie. Der Schweiß floss dem Geistlichen in Strömen und seine Gedanken waren weit von Isabella entfernt, um deren Keuschheit Willen der König ihn eigentlich mitgeschickt hatte.
Zum ersten Mal seit langen spürte der Geistliche den Schmerz zwischen seinen Beinen. Ein Gefühl, das er verabscheute, auch wenn es süß wie der Wein war, dem er sonst gerne zusprach. Dieses rothaarige Mädchen war eine Sünderin. Das wusste er. Sie stellte ihn und seine Tugend auf die Probe. In Gedanken bestrafte er sie für ihre Sünden und griff sich dabei mit der Hand unter die Robe.


Fortsetzung folgt …

Kommentare:

  1. Schade, viel zu schnell fertig gelesen . Aber macht auf die Fortsetzung neugierig.

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  2. Netter Appetiethappen. Hoffendlich kommt dann bald die 'Hauptspeise' ;)
    Gefällt mir und macht Lust auf mehr.

    lg

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