Evis Zähmung
Die Frau erwachte
benommen. In ihrem Mund war noch immer der Geschmack ihres letzten Drinks. Was
war da drin? Was hatte er ihr gegeben? Nur dumpf konnte sie sich daran
erinnern. Ein teuflischer Tropfen, der zu dem verschlagenen Lächeln passte,
welches er zuletzt auf den Lippen hatte.
Evi versuchte sich zu
bewegen und zerrte verzweifelt an ihren Ketten. Erst jetzt wurde ihr bewusst,
dass man sie an die Wand gekettet hatte. Sie stieß einen Schrei aus, rief um
Hilfe, doch niemand kam. Wütend brüllte sie die Wand an und riss an ihre
Fesseln, bis die Haut wund wurde. Bald wurde ihr jedoch klar, dass sie hier im
Keller des Fremden auch niemand hören würde. Zu tief unter der Erde hatte er
sie verborgen. Er, denn sie nicht einmal kannte. Er, denn sie Abend zuvor noch
wegen seines Aussehens verspottet hatte.
Es war schwer so zu
stehen, denn ihr Entführer hatte nicht nur ihre Arme angekettet, nein ihre Beine
waren durch eine solide Spreizstangen so auseinandergezogen, dass es ihr
unmöglich war, entspannt zu stehen. Sie fühlte den Schmerz in ihren Waden.
Einsamkeit, Hilflosigkeit, Angst, dass alles vermischte sich mit der wachsenden
Pein. Sie wollte entkommen, doch sie konnte es nicht. Zu fest waren die Ketten.
Zu gnadenlos der Griff des Eisens, welches sie an den steinernen Keller band.
Zeit verstrich und ließ
auch das letzte Feuer in ihr verschwinden, bis sie nur noch schlaff an ihren
Ketten hing, wobei sie Versuchte, dem Schmerz zu entkommen, der sich durch ihre
Glieder fraß. Hunger und Durst kamen hinzu, doch es gab nichts, mit dem sie
diesen Drang ihres Körpers befriedigen konnte.
Langsam kam die Kälte
hinzu. Sie trug nur ein rotes Höschen und ihr Top, welches ihre hübschen Brüste
betonte. Sonst hatte er ihr nichts gelassen. Evi kamen die Tränen. Tränen, die
die Wut fortschwemmten, bis nur noch ein Häufchen Verzweiflung übrig blieb. Sie
konnte nicht mehr, konnte nur noch hoffen, dass irgendetwas, irgendjemand sie
befreite.
Ein Schloss öffnete sich
und wenige Herzschläge später wurde die Tür aufgestoßen. Evi erwachte aus ihrer
Traumwelt, in die sie sich geflüchtete hatte. Im schwachen Licht einer Fackel
sah sie ihn.
„Du?“, rief sie
entgeistert, als sie das Gesicht des Mannes erkannte, der durch die Tür trat.
„Ich“, meinte dieser mit
einem überlegenen Lächeln. In seinen Händen befand sich ein Kelch und ein Krug
mit Wein.
„Du Schwein!“, fauchte
sie mit letzter Kraft.
„Das hast du schon öfters
gesagt“, meinte er gleichgültig und füllte den Kelch vor ihren Augen langsam
mit dem süßlich duftenden Wein. Böse funkelte sie ihn an, während ihre trockene
Kehle nach nichts mehr als einem Schluck dürstete.
„Hast du Durst?“, fragte
er sie. Er stellte den Krug weg und goss etwas Wein aus dem Kelch in seine
Handfläche, die er ihr hin hielt. „Oder willst du mir nicht aus der Hand trinken.“
Evi wusste nicht, was sie
tun sollte. Stolz und Selbstachtung kämpften gegen das natürliche Verlangen
ihres Körpers. Sie wollte trinken, nichts mehr als das, doch sie wollte ihm
nicht die Genugtuung geben. Trotzdem. Sie musste sich entscheiden.
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Wie wird sie sich wohl entscheiden? Was meint ihr?
