Mit zusammengekniffenen Augen wälzte sich Tessa unruhig auf der
großzügigen Bettstatt. Die Hände griffen fest in das zerwühlte Laken.
Von Schweiß durchnässt drückte der Stoff des weißen Nachthemds gegen die
Konturen ihrer weiblichen Rundungen. Ihr langes Haar war zu feuchten
Strähnen verklebt. Die Frau, deren Alter man kaum schätzen konnte, sah
aus, als würde sie eine verzweifelte Schlacht schlagen. Immer wieder
murmelte sie unverständliche Worte, während sie im Schlaf um sich
schlug. Ein lauter Schrei ließ sie schließlich aus ihrem Albtraum
erwachen.
Keuchend lag die rothaarige Frau in ihrem Bett. Die Augen
starr zu Decke gerichtet. Das leise Klirren der rollenden Rumflasche
brachte ihre Gedanken zurück in die Gegenwart.
Tessa richtete ihren
Körper auf und sah sich in ihrer Kabine um. Mit schweren Augen blickte
sie durch das Fenster in das vorbeifliegende Grau der Wolken. Der Wind
hatte gedreht. Sie konnte das Vibrieren des Luftschiffs spüren, welches
nun gegen die Luftströmung ankämpfte.
Die Artemis, ihr Schiff, würde
es wohl nicht vor dem nächsten Tag nach Zwergheim schaffen. Eine
willkommene Verzögerung, wenn nur nicht der Rum so weit weggerollt wäre.
Für einen normalen Menschen wären die drei Schritte kaum ein Problem
gewesen, doch sie war anders. Die Kommandantin des Luftschiffs blickte
auf den Stumpf ihres rechten Beins. Der Kunstfuß aus Metall und Leder,
der ihr das Gehen ermöglichte, lag auf der anderen Seite ihrer Kabine.
Sie hatte die Prothese wohl wieder einmal achtlos abgelegt, als sie ins
Bett fiel, und das Schlingern des Schiffs hatte den Rest erledigt.
Notgedrungen sah sich die rothaarige Frau nach etwas um, das sie als
Stütze verwenden konnte, denn sie wollte nicht wie ein Wurm über den
Boden kriechen. An Land hätte sie den Weg auf einem Bein zurückgelegt.
Schließlich war Tessa von Hohental nicht irgendeine hilflose Prinzessin.
Auf dem schwankenden Luftschiff hatte selbst die furchtlose Anführerin
einer kleinen Piratencrew keine Lust, das Schicksal und ihr
Gleichgewicht herauszufordern.

Eine gefühlte Ewigkeit saß Tessa
nun am Bettrand und starrte abwechselnd auf das Ersatzbein und die
Flasche mit Rum, die sie, wider besseren Wissens, am Vorabend nicht
geleert hatte. Es war ihre Medizin gegen den Schmerz und die Albträume
ihrer Vergangenheit. Ein scheußliches Gebräu, dem sie Hass und Liebe
schenkte.
Plötzlich ging die Tür auf. Beschämt zuckte Tessa zusammen. Sie hasste es, wenn jemand sie so sah.
»Hast du noch nie etwas von Anklopfen gehört, Lin?«
Die junge Frau sah Tessa mit ausdrucksloser Miene an und hob die Prothese auf.
»Wir haben den Nordtransit erreicht.«
»Solltest du dann nicht Wache halten.«
»Die Wolken sind zu dicht, als dass wir alle nach lohnender Beute Ausschau halten können. Anne und Kera sind auf der Brücke.«
Tessa nickte und sah zu Lin auf, die nun direkt vor ihr stand – das Ersatzbein in der Hand.
»Du solltest dir vielleicht doch eine Krücke zulegen«, sagte die Dunkelhaarige und lehnte die Gehhilfe an den Bettkasten.
»Ich habe ja dich«, erwiderte die Rothaarige säuerlich.
Die Blicke der Beiden kreuzten sich. Auch wenn Lin nach außen ruhig
wirkte, konnte man die Anspannung spüren, die tief in ihr loderte.
Anders als Tessa zeigte das Mädchen aus dem östlichen Kaiserreich ihre
Gefühle normalerweise kaum jemandem. Es gab nur einen Menschen, der die
verletzliche und zärtliche Lin kannte. Dieser saß vor ihr.
Vorsichtig tastend legte das Mädchen ihre Finger auf das Knie des
Kapitäns. Eine vertraute Einladung, die mehr sagte als tausend Worte.
Tessa durchlief ein Schauer. Sie verzog kurz die Miene, als sie die
sanfte Berührung sinnlicher Intimität vernahm. Sie wusste sofort, warum
Lin hier war, und beleckte die Lippen, während sie das Vordringen der
Hand spürte, die sich an der Innenseite ihres Schenkels unter das
Nachthemd schob.
Lin und sie hatten noch nie über ihre Beziehung
gesprochen. Jedes Mal, wenn das Mädchen zu ihr kam, sprachen allein ihre
Körper miteinander. Ein Austausch, bei dem es keine Fragen gab. Nur die
Gewissheit gemeinsamer Freude existierte.
So war es auch diesmal.
Tessa hob ihre Hand und berührte Lins Wange. Zarte Haut, die sich an
ihre Finger schmiegte. Wärmendes Leben, das unter der blassen Fassade
pulsierte.
Die Lippen der Beiden näherten sich, wobei Tessa unter
dem Druck ihrer Gespielin die Schenkel öffnete. Nur einen Herzschlag
später glitten bereits zärtliche Fingerkuppen über ihre Scham.
Erst
war es nur ein kurzes Abtasten. Lin wich zurück und streichelte über das
verstümmelte Bein, bis sie den Stumpf erreichte. Gefühlvoll umkreiste
sie dieses mit der Hand, wobei Tessa ein sinnliches Seufzen entwich. Sie
liebte diese Art des Vorspiels. Die intime Berührung durch die fremden
Finger, die sonst niemand verstand.
Lin schenkte sie ihr für einen
kurzen Moment. Doch das Mädchen wollte mehr und suchte wieder das
feuchte Tal. Tessa stöhnte lustvoll auf und fuhr den dunklen Haaransatz
am Kopf der etwas jüngeren Schönheit entlang. Mit der anderen Hand löste
sie geschickt die Schnürung von Lins Gewand. Willig ließ sich das
Mädchen von ihrem Kapitän entkleiden, während sie selbst Tessas
Lustperle umkreiste, wobei der Nektar auf ihre Finger tropfte.
Tessa
stöhnte lustvoll auf, als eine Welle feuriger Ekstase ihre Sinne
umschlang. Die Augenlider flackerten und für einen kurzen Augenblick
glaubte sie sich bereits am Gipfel. Doch der Weg war noch nicht zu Ende.
»Mach weiter«, flüsterte sie Lin ins Ohr und küsste dann den Hals der Gespielin.
Das Mädchen gehorchte und massierte nun immer stärker das Lustzentrum
ihres Kapitäns. Der Saft der Leidenschaft lief aus der Spalte und
erfüllte den Raum mit dem sinnlichen Duft weiblicher Lust. Benommen von
stürmischer Ekstase taumelte Tessa in einen Orkan der Gefühle. Schauer
aus lüsternem Verlangen durchströmten ihren Unterleib, während sie sich
an Lin festhielt.
Die Ruhe hielt nur kurz. Mit feurigen Küssen
begann das Spiel erneut. Erst der Hals, dann die Wangen und schließlich
fanden sich ihre Lippen zu einer intimen Vereinigung der Fleischeslust.
Tessas Zunge umspielte die des Mädchens. Es war ein entfesselter Tanz,
in dem beide einen ekstatischen Rausch durchlebten.
Mit einem Mal
explodierten die Gefühlswogen in Tessas Geist. Elektrisierendes Knistern
durchzog ihren Körper. Eine Flutwelle der Leidenschaft schwappte durch
ihren aufgeheizten Lieb. Die einbeinige Frau ließ sich in einen Ozean
grenzenloser Gelüste fallen.
Sie war endlich am Gipfel der Lust
angekommen. Ein Ort, an dem sie einfach nur glücklich sein durfte.
Dieser Moment gehört ihr ganz alleine. Hier war sie frei von allen
Zwängen, frei von Schmerz und dem Gefühl des Verlustes.
Tessa liebte
die unkomplizierte Seligkeit, in der sie sich von ihrer eigenen
Weiblichkeit umschlossen fühlte. Ein kleiner Augenblick des gemeinsamen
Glücks in einer sonst gnadenlosen Welt.
Am ganzen Körper zitternd
rang Tessa noch immer nach Luft, als Lin ihr mit einem Ruck das
Nachthemd auszog, bevor sie sich ebenfalls vollständig entkleidete.
Tessa ließ sich rücklings auf das Bett fallen und betrachtete dabei das
athletisch geformte Mädchen, welches nun über sie stieg und ihren
empfänglichen Leib mit Küssen verwöhnte.
Lin störte sich nicht an
dem Beinstumpf, sondern küsste ihn wie jede andere Stelle ihres Körpers.
Die Kommandantin der Artemis genoss dieses Gefühl, als normal behandelt
zu werden – weder als Krüppel noch als Monster.
»Oh ja«, hauchte die sonst so resolute Frau, als die Zungenspitze des Mädchens ihre triefende Spalte erkundete.
Das Feuerwerk der Lust, welches Lin ihr schenkte, war so
unbeschreiblich intensiv und schön, dass es jeden anderen Gedanken aus
ihrem Kopf vertrieb. Mit einer Hand streifte Tessa über ihren Oberkörper
und berührte ihre eigenen Rundungen, während sie mit der anderen den
dunklen Haarschopf ihrer Partnerin fasste.
Fordernd drückte die
Kommandantin den Kopf ihrer Gespielin gegen ihr empfindliches Zentrum.
Schauer aus knisternder Lust peitschten durch ihren Körper und es
dauerte nur einige Augenblicke, bevor sie erneut und diesmal noch lauter
kam.
Als sie den Griff löste, begann das Mädchen, einer Schlange
gleich, sich an ihr hochzuwinden. Immer noch schwer keuchend, fasste
Tessa nach ihr. Mit den Fingernägeln kratzte sie über Lins Rücken und
drückte sie gegen ihren vor Lust bebenden Leib.
Tessas kostete den
eigenen Nektar, der noch an den Lippen des Mädchens klebte. Erst war es
nur ein spielerisches Berühren, doch dann fanden sich auch schon ihre
Zungen zu einem erneuten Kuss stürmischen Verlangens.
Wie Bestien
fielen die beiden Frauen übereinander her. Vereint in sinnlicher Wollust
durchwühlten sie gemeinsam das Bett, wobei sie immer wieder von
ekstatischen Schauern gepeitscht aufstöhnten.
Die Flasche mit Rum
war längst vergessen. Die berauschende Nähe der Gespielin ließ sie
jeden Schmerz verdrängen. Atemlos gaben sich Tessa und Lin ihrer
Leidenschaft hin. Es war ein Geben und Nehmen, ein Streicheln und
Stoßen, Küssen und Beißen. Die Körper der Frauen hatten sich zu einem
willigen Kokon der Lust vereint, als dumpfes Donnergrollen das
Fensterglas erzittern ließ.
»Das sind Kanonenschüsse«, murmelte Lin.
Mit einem Seufzen zog Tessa ihre Finger aus dem nun ebenfalls
zitternden Körper des Mädchens und leckte sich den Lustnektar von den
Fingerkuppen.
»Wer bei allen Dämonen des Totenlands schießt denn da?«, fluchte die Kommandantin.
Hastig streiften sich die beiden Frauen ihre Kleidung über. Immer wieder war der Donnerhall zu hören.
»Ich weiß es nicht, doch die Schüsse gelten offenbar nicht uns«, sagte Lin.
»Warum weißt du das?«, wollte Tessa wissen und legte dabei ihr Bein an.
»Weil sie uns noch nicht getroffen haben«, erklärte das Mädchen.
Lin war jetzt fertig angezogen und machte sich auf den Weg zur Kabinentür.
»Ich gehe auf meinen Posten, Käpt’n.«
Tessa nickte und sah Lin nach, während sie zeitgleich immer noch mit
der Schnürung ihrer Prothese kämpfte. In ihr tobte ein Wirrwarr aus
Gedanken, wovon sich nur ein Teil um das Geschützfeuer rankte. Lin
verwirrte sie.
Das Mädchen, welches gerade eben noch voller
Leidenschaft mit ihr die fleischlichen Freuden geteilt hatte, war nun
wieder so gefühlskalt wie ein Fels aus Granit. Tessa fragte sich, was in
dem Kopf der Kleinen wohl vorging. Dieses Auf und Ab der Gefühle,
belastete schon von Anfang an ihre Beziehung.
Viel Zeit zu Grübeln
blieb ihr nicht, denn erneuter Donner erschütterte die Fenster. Was auch
immer da draußen herumtobte, es war gefährlich.
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Das
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